• Sommerpause

    Der Mentor-Ing Blog macht Sommerpause …

    Anfang August, pünktlich zum einjährigen Jubiläum, geht es weiter. 
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    Du willst die Zeit für Deine persönliche Weiterentwicklung nutzen?
    Dann schicke ich Dir gerne (vorab) meine Lebensgestaltungs-Planungsvorlage.

    Ich wünsche Dir einen schönen Sommer und dass Du Dir Zeit für die wirklich wichtigen Dinge nimmst.

  • Verhalten bei Stress (Yerkes Dodson)

    Musstest Du schon einmal bis „morgen früh“ eine Präsentation fertig machen, hast sogar eine Nachtschicht eingelegt und am nächsten Tag ist der Punkt im Meeting gar nicht besprochen wurden? Dann hast Du vermutlich das Gesetz von Yerkes Dodson in Aktion erlebt.

    Vor einiger Zeit hörte ich einen Vortrag zu diesem Thema und mir wurde bewusst, warum in meinem Alltag immer wieder Dinge passieren, die ich im Nachhinein lieber anders gelöst hätte.

    Grafik; X-Achse: Grad der Anspannung; Y-Achse: Produktivität

    Quelle: Wikipedia

    Die Theorie

    Je mehr Stress wir erfahren, desto weniger produktive bzw. kreative Leistung erbringt unser Gehirn. Wir fokussieren uns fast ausschließlich auf den jeweiligen Stressor und wie wir ihn überwinden: Ein schnelles Ergebnis, selten nachhaltig und überlegt.

    Die Ursache dafür sind unsere Instinkte. Diese sind heute noch geprägt durch Überlebensstrategien, die über Jahrtausende erfolgreich waren. Diese sind im „ältesten“ Teil des Gehirns, dem Hirnstamm beheimatet. Gelegentlich findet sich auch der Begriff „Reptiliengehirn“ dafür. Dieser Teil ist für die Verarbeitung von Sinneseindrücken, elementare und reflexartige Steuermechanismen und motorische Grundfunktionen zuständig. Dazu gehört auch „Fight or Flight“ (also Laufen, Kämpfen oder Totstellen). Sowohl zum Kämpfen als auch zum Laufen wird zusätzliche Energie in den Muskeln benötigt, der Blutfluss bringt Sauerstoff und transportiert Abfallprodukte weg.

    Im Gegensatz dazu übernehmen Groß- und Kleinhirn überwiegend bewusste Funktionen wie Sprache oder rationale Entscheidungen oder unser Vorstellungsvermögen. Das Gehirn ist ebenfalls energiehungrig und verbraucht laut Wikipedia ungefähr 20% unseres Grundumsatzes.

    Energiebilanz

    Wenn wir davon ausgehen, dass wir nicht ständig alle Funktionen unseres Körpers mit ausreichend Energie versorgen können, muss der Körper Prioritäten setzen.
    Die Entscheidung erfolgt jedoch nur in den wenigsten Fällen rational. Empfinden wir Furcht, dann greifen wir auf Strategien oder Instinkthandlungen zurück, die solange unser Überleben gesichert haben: u.a. Fight or Flight.

    Die zusätzlich verwendete Energie in den Muskeln steht dann an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung.
    In der Vergangenheit waren Bedrohungen meist überlebensrelevant. Im Angesicht eines Raubtiers konnten bereits Millisekunden über Leben und Tod entscheiden. Laufen oder Kämpfen war hier erfolgsversprechender als erst einmal nachgrübeln, ob der Säbelzahntiger jetzt wirklich gefährlich ist.

    Die heutige (Projekt-) Welt

    Heute sind die Auswirkungen unserer Entscheidungen typischerweise nicht mehr existenzbedrohend. Dennoch empfinden wir Furcht, wenn wir nicht wissen, ob eine Entscheidung im Projekt zum Erfolg führen wird. Wir empfinden Existenzangst, wenn die Aktien in unserem Depot an Wert verlieren. Jetzt das zu tun, was uns als erstes in den Sinn kommt – die Entscheidung hinauszuzögern und erst einmal alles beim Alten/Gewohnten zu belassen, oder die Aktien verkaufen, um den Verlust zu begrenzen und künftig nur noch Tagesgeldkonten zu verwenden – kann sich langfristig als ungünstig erweisen.

    Die Theorie ist zwar ganz nett, hilft uns jedoch selten. Gerade wenn der Projektleiter Freitagabend anruft, damit wir bis Montagmorgen die Präsentation fertig machen. Immerhin sind wir soziale Wesen und um unsere Beziehungen bemüht. Andere Menschen wollen wir nicht enttäuschen.
    Der Fokus des Projektleiters liegt darauf, sein Problem zu lösen. Er ruft Dich an, am besten regelmäßig, fragt nach dem Status, fragt, ob er Dir helfen kann etc. Damit steigt Dein Stresslevel und Du fokussierst Dich darauf, jetzt dieses Problem zu lösen. Das andere Projekt, was vielleicht deutlich größer und wichtiger ist, dessen Projektleiter jedoch gerade nicht bei Dir anruft, verliert für den Moment an Bedeutung. Zumindest solange bis Du hier mit Deiner Arbeit ins Hintertreffen kommst und Dein Telefon klingelt. Ein Teufelskreis?

    Was kannst Du tun?

    Ich habe einmal gelesen, dass die Entscheidung, ob nachgedacht werden muss, zu treffen ist, bevor nachgedacht werden muss. Im Sport trainieren wir Strategien, Spielzüge und Situationen immer und immer wieder, damit wir unter Stress dann hoffentlich darauf zurückgreifen können. Wieviel wird bei Dir im Job trainiert (Seminare, Coaching, Feedback, …), damit Du optimal vorbereitet bist?

    Wenn wir der 10.000 Stunden Regel Glauben schenken, dann benötigen wir 10.000 Stunden Übung, um in einem Gebiet Experte zu werden. Beim Basketball zum Beispiel, brauchst Du zu Beginn Deine gesamte Aufmerksamkeit für den einzelnen Bewegungsablauf. Du kannst Dich nur wenig um das Spiel und Deine Mit- und Gegenspieler kümmern. Je mehr Routine Du im Ablauf hast, desto mehr Kapazität hast Du, um andere zu beobachten und zu reagieren. Hast Du Dir am Anfang lange vorher überlegt welchen Spielzug Du ausführen willst, kannst Du nun immer mehr variieren.

    Vielleicht ist die Entscheidung nicht immer optimal. Doch irgendwann läuft es „wie im Schlaf“. Du überlegst im Vorfeld, was Dein Gegner tun könnte, woran Du es erkennst und was Du dann tust. Du wirst immer schneller, aufmerksamer und damit auch selbstsicherer.

    Überlege Dir vorher, was Dich dazu veranlassen könnte, erst einmal innezuhalten und Dir eine Strategie zu überlegen, anstatt Dich gleich in die Arbeit zu stürzen. Vielleicht ein Ritual, eine Notiz am Monitor, …?

    Fazit

    Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nützen.

    — Lucius Annaeus Seneca

    Ich beobachte immer wieder, dass im beruflichen Alltag manche Dinge als sehr wichtig eingestuft werden und im nächsten Moment sind sie völlig vergessen.
    Vielleicht ist dieser Artikel für Dich ein Anreiz, häufiger zu reflektieren, welche Deiner Aufgaben langfristig einen Mehrwert für Dich und Dein Unternehmen bringen und welche nur aufgrund der nahenden Abgabe im Fokus liegen. Denn Aktivität bedeutet nicht gleich Produktivität.

    Wenn Du Fragen oder Anregungen zu Yerkes Dodson hast, dann schreib mir gern eine E-Mail.

  • Sich selbst strukturieren

    Hast Du immer mal wieder das Gefühl, viel Zeit in der Arbeit zu verbringen und trotzdem wird der Stapel mit den offenen Aufgaben nicht kleiner? Oder ertappst Du Dich dabei, dass Du am Wochenende schon den Plan für die nächste Woche machst und gar nicht richtig abschaltest?

    So ähnlich ging es mir am Anfang meines Berufslebens auch. Vor allem bin ich morgens so spät wie möglich aufgestanden, dann schnell ins Büro. Auf dem Weg vielleicht noch ein Stau und zu spät zum ersten Termin kommen. Danach erst einmal E-Mails lesen und die ungelesenen Nachrichten abarbeiten. So vergeht der Tag praktisch wie im Flug, genauso wie die ganze Woche. Am Feierabend, Wochenende und im Urlaub lassen sich dann die Batterien wieder auftanken. Aus Wochen werden Monate, aus Monaten Jahre und irgendwann kommt dann der ersehnte Ruhestand und endlich einmal Zeit, die Dinge zu tun, die einem wirklich Freude bereiten.

    Ich schreibe hier bewusst überspitzt, auch wenn ich dieses Verhalten leider immer wieder beobachte, sowohl im privaten wie auch im beruflichen Umfeld. Gerade wenn wir Freude und Erfüllung in unserer Arbeit finden.

    Entspannt ins Wochenende

    Das Wochenende steht hier als Vertreter für freie Tage, diese müssen nicht unbedingt Samstag oder Sonntag sein. Zeit, die Du zur Erholung nutzen kannst, zur persönlichen Weiterentwicklung, für Zeit mit der Familie oder Freunden.

    Mir ist wichtig, dass ich in dieser Zeit Distanz zu meiner Arbeit erlangen kann, um mich zu erholen und vielleicht auch mal den Blickwinkel zu verändern. Natürlich wird es immer Aufgaben geben, die vor dem Wochenende nicht mehr fertig werden und am nächsten Montag kommen auch wieder unerwartete Themen, die schnell bearbeitet werden müssen.

    Deshalb ist der letzte Termin in meinem Kalender vor dem Wochenende ein persönlicher Rückblick über 30 Minuten. Einerseits kann ich dabei prüfen, welche Aufgaben ich diese Woche abschließen konnte und was in der nächsten und übernächsten Woche zu erledigen ist. Ein wichtiger Aspekt dabei ist eine gute Schätzung des Zeitaufwandes für die einzelnen Aufgaben. Tatsächlich verschätzen wir uns sehr häufig und planen dann viel zu wenig Zeit ein, wenn es sich nicht um Routinearbeiten handelt. Im Kalender trage ich dann entsprechende Zeiten ein.

    Der Vorteil: Die nächste Woche ist geplant und ich kann entspannt ins Wochenende gehen. Ich habe Transparenz über meine Aufgaben und habe auch ggf. entsprechende Puffer eingeplant. Sollten unerwartete Aufgaben auch mich zukommen, kann ich bei Bedarf priorisieren (lassen). Außerdem habe ich einen Überblick, welche Aufgaben ich in der letzten Woche alle erledigt habe. Ein schönes Gefühl, mit dem ich mich jetzt am Wochenende anderen Dinge widmen kann.

    Strukturiert in die Woche

    Montags und mittwochs arbeite ich die erste Stunde daheim. Gerade am Montag schaue ich mir typischerweise Aufgaben auf Wiedervorlage an und plane entsprechende Erinnerungen ein (telefonisch nachfragen). Häufig gibt es auch neue Erkenntnisse, die in den Projekten oder Linienterminen vorgestellt und besprochen werden müssen. Unter Umständen braucht es noch eine kurze Präsentation oder technische Rücksprachen und Entscheidungen. In dieser Zeit arbeite ich offline, das heißt keine E-Mails lesen. Überhaupt schaue ich nur dreimal am Tag in meinen Posteingang und am Abend herrscht bei mir „Inbox Zero“ (keine unbearbeiteten E-Mails mehr).

    Am Mittwoch ziehe ich eine erste Zwischenbilanz über die Woche und nehme bei Bedarf noch Anpassungen an meiner Planung für die restliche Woche vor.

    Die übrige Zeit der Woche verbringe ich überwiegend in Besprechungen, weshalb mir diese „Produktivzeit“ sehr wichtig ist.

    Die Arbeit an der Arbeit

    Wenn wir eine Aufgabe das zweite Mal erledigen, wird das Ergebnis wesentlich besser sein als beim ersten Mal und vermutlich werden wir es auch in weniger Zeit geschafft haben. Werden diese Aufgaben auch von anderen Kollegen ausgeführt, kann ich bei ihnen vielleicht auch noch etwas lernen und besser werden. Irgendwann lohnt es sich, für diese Aufgaben Standards und Prozesse aufzuschreiben, damit alle Mitarbeiter dasselbe Verständnis des Ergebnisses haben und gemeinsam an dessen Verbesserung arbeiten können.

    Ich nehme mir regelmäßig Zeit und analysiere meine Arbeitsabläufe und Methoden. Im Alltag kommt es immer wieder vor, dass ich der Idee oder Methode folge, die mir zuerst in den Sinn kommt. Im Nachhinein fallen mir dann viele bessere Herangehensweisen ein und ich überlege mir, wie ich das nächste Mal cleverer agieren kann.

    Ganz besonders bietet sich hier der Austausch mit Kollegen an, auch Seminare oder ein Coach können hier viel zu Deiner Produktivität beitragen.

    Job = Arbeit + Verbesserung

    Aktuell ist ein Schwerpunkt meiner persönlichen Weiterentwicklung die Anwendung von Lean Management. Ich finde vor allem die These interessant, dass schnelle und nachhaltige Veränderungen in Unternehmen nur durch hohe Standardisierung und eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung möglich sind.

    Durch die Standardisierung und Optimierung von Aufgaben, die sich immer wieder wiederholen, schaffen wir uns Freiraum, um die Risiken von heute und morgen bearbeiten zu können. Und jeder kann damit bei sich selbst anfangen.

    Ich habe bei mir beispielsweise das Schreiben von kniffligen E-Mails durch Textbausteine optimiert. Manchmal saß ich 90 Minuten an einer einzigen E-Mail bis ich mit der Formulierung zufrieden war. Da ich die E-Mails am Abend in Ruhe schreiben wollte, verlängerte sich mein Arbeitstag dann auch entsprechend, denn die Nachricht musste unbedingt noch raus. Da dies häufiger auftrat, habe ich mir dann die Stellen angeschaut, an denen ich besonders lange überlegt hatte. Ich erstellte mir dann dafür Vorlagen, die ich immer wieder verwendet habe. Dasselbe gilt auch für die Vorbereitung von Besprechungen, Erstellen von Protokollen, Verwalten von Aufgaben und Nachverfolgung von Rückmeldungen.

    Meine Empfehlung

    Beobachte Dich einmal selbst bei der Arbeit und überlege, welche Tätigkeiten Du immer wieder ausführst und die Dich viel Zeit kosten. Tausche Dich mit Deinen Kollegen aus, wie sie diese Aufgaben bearbeiten und vielleicht findet ihr gemeinsam eine neue Herangehensweise, die Euch beiden Zeitersparnis bringt. Strukturiere Deinen Tag und Deine Woche und verschaffe Dir einen Überblick, was Dich in der nächsten Woche erwartet und was Du in der letzten Woche alles erledigt hast. Und dann beginne mit der kontinuierlichen Verbesserung.

    Wenn Du Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel hast, dann schreibe mir gern eine Nachricht.

  • Management Romane – Erzählte Erfahrung

    Du bildest Dich gerne durch Lesen weiter, findest jedoch Fachbücher recht trocken? Dann kommt hier vielleicht eine Lösung für Dich: Management Romane

    Ich finde immer wieder gut geschriebene Fachbücher, leider sind die meisten eher eine Aneinanderreihung von Fakten. Eine willkommene Abwechslung für mich sind Management Romane. Die Bücher erzählen immer die Geschichte eines Unternehmens und eines oder mehrerer Protagonisten. Diese haben meist mehrere komplizierte Probleme für ihr Unternehmen und für sich selbst zu lösen und sehen sich im Verlauf des Buches immer neuen Herausforderungen gegenüber. Gleichzeitig erweitern sie ihre Fähigkeiten, probieren neue Methoden aus, scheitern und entwickeln sich dadurch weiter.

    Mein erstes Buch in dieser Form war „Der Termin“ von Tom DeMarco. Das Buch ist voll mit guten Anregungen, die ich in meinen Alltag übernehmen konnte. Außerdem hatte Mr. Tompkins (der Protagonist) schon einmal die offensichtlichen Probleme durchlebt und mir damit die Scheu genommen, es selbst einmal auszuprobieren.

    Letztendlich geht es immer um Menschen und ich finde die Geschichten sehr anschaulich und die Geschichte des Buches führt mir vor Augen, wie die Menschen in meinem Umfeld reagieren könnten, was es mir leichter macht, das Neuerlernte anzuwenden.

    Der Termin (Tom DeMarco)

    Das Buch erzählt von den typischen Widrigkeiten im Projektalltag, Druck, Mikromanagement, Sandwichpositionen usw. Der Protagonist Mr. Tompkins fasst am Ende jedes Kapitels seine Erkenntnisse zusammen, was den Lerneffekt noch einmal erhöht. Ein anschauliches und spannendes Buch rund um die trockene Theorie des Projektmanagements.

    The Phoenix Project (Jene Kim)

    Ein sehr gutes Buch, nicht nur für IT’ler. Es beschreibt sehr anschaulich und unterhaltsam die alltäglichen Probleme im Unternehmen. Immer wenn eine Situation überwunden scheint, kommt es danach meist noch schlimmer. Und oft lässt sich das auch noch darauf zurückführen, dass das Naheliegende oder vermeintlich Richtige getan wurde.

    Das Ziel (Eliyahu M. Goldratt)

    Das Buch befasst sich mit dem Thema Prozessmanagement, vor allem der Optimierung der Prozesse in einem Produktionsbetrieb. Ein sehr praxisnahes Buch, das mich neben der Prozessoptimierung vor allem an Lean Management und die Engpass Strategie herangeführt hat.

    Das Café am Rande der Welt (John Strelecky)

    Kein Management Roman im eigentlich Sinne, jedoch eine sehr schöne Erzählung, die für mich der Anstoß war, mehr darüber nachzudenken, was ich im Leben wirklich will. An vielen Stellen in diesem Buch habe ich mich selbst erkannt, auch wenn das Buch viel Bekanntes aufgreift und recht amerikanisch geschrieben ist.

    The Gold Mine (Freddy Balle)

    In The Gold Mine werden die Grundlagen von Lean Management erklärt, wobei ein konkursbedrohtes Unternehmen als „Versuchsobjekt“ fungiert. Der Eigentümer und Geschäftsführer des Unternehmens erlernt mit Hilfe eines Coaches Lean Management, was für den Leser eine gute praktische Anleitung darstellt.

  • In guten Zeiten für schlechte vorsorgen

    Hast du auch das Gefühl, dass Du Dich endlich mal mit Deinen Finanzen beschäftigen solltest, vor allem sowas wie fürs Alter vorsorgen? Vielleicht hattest Du sogar schon einmal einen Termin bei der Bank Deines Vertrauens und hattest am Ende trotzdem kein so richtig gutes Gefühl?

    So ging es mir selbst vor einigen Jahren und in letzter Zeit werde ich immer häufiger zu diesen Themen um Rat gefragt. Häufig geht es dabei um konkrete Produkte wie Bausparverträge und Riester-Renten aber auch ETF-Sparpläne oder ganz allgemein Finanzen.
    In diesem Artikel beschreibe ich meine eigenen Überlegungen und gebe Dir gleichzeitig die Empfehlung zu Blogs wie dem Finanzwesir (Link) oder den Finanzrocker (Link) oder auch Podcasts wie Geldbildung (Link) für mehr Tiefgang und Details.

    Grundlegende Überlegungen

    Bevor Du Dich jetzt gleich als erstes mit Deiner Absicherung im Alter beschäftigst, solltest Du Dir zuerst einen Überblick über Deine Einnahmen und Deine Ausgaben machen. Lies hier auch gerne noch einmal diesen Artikel aus dem letzten Jahr.

    Ungefähr genauso ärgerlich wie nicht benötigtes Geld der Inflation auf dem Tagesgeldkonto ohne Zinsen auszusetzen, ist es, wenn Du auf einmal Geld benötigst und eine Immobilie oder Deine Wertpapiere zu einem Tiefstpreis verkaufen musst.
    Dies könnte beispielsweise notwendig sein, weil eine größere Reparatur bei Deinem Auto ansteht oder der Neukauf einer Waschmaschine. Für diesen Fall solltest Du über ausreichende Rücklagen verfügen.

    Der Notgroschen

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis weit höher als in der Theorie.

    — Ernst Ferstl

    Im Leben können immer wieder ungeplante Dinge passieren. Vielleicht lernst Du den Partner fürs Leben kennen und ihr geht gemeinsam auf Weltreise, dasselbe geht natürlich auch allein oder mit guten Freunden. Vielleicht erwartest Du Nachwuchs und nimmst eine längere Auszeit vom Job. Oder Du möchtest ein Buch schreiben. Egal was es ist, ein Polster um im Notfall Deine Ausgaben zu decken, kann Dir in diesen Fällen sehr viel Flexibilität bieten.

    Wichtig ist, dass dieses Geld schnell verfügbar ist. Ich habe meinen Notgroschen beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto.
    Aktuell gibt es dafür zwar kaum Zinsen, allerdings spart mir diese Rücklage im Ernstfall die Zinsen des Dispo- oder eines anderen Kredits (aktuell ca. 6-10%).

    Die Höhe der Rücklage hängt ganz von Deiner Lebenssituation und Deinen Ausgaben ab. Die übliche Empfehlung ist etwa die Ausgaben über 6 bis 12 Monate. Je geringer Deine monatlichen Fixkosten sind, also Versicherungsprodukte, Ausgaben für Auto bzw. Mobilität, Miete und Nebenkosten, Tilgungsraten von Krediten bzw. Finanzierungen etc., desto geringer kann dieser Betrag sein.

    Mittelfristige Ausgaben

    Dieser Posten ist sehr individuell, sowohl für den Zeitraum als auch von den Ausgaben. Bei mir umfasst dieser etwa die nächsten acht Jahre.

    Planst Du den Kauf einer Immobilie oder eines neuen Autos? Oder hast Du gerade Dein Studium begonnen und willst vor dem Abschluss ein Jahr ins Ausland gehen? Je nach Investition und Kapitalbedarf gibt es hier ganz unterschiedliche Möglichkeiten, vom einfachen Tagesgeldkonto über Festgeld bis hin zu Bausparverträgen oder kurzlaufende Staatsanleihen (Bonds).

    Langfristige Planung

    Bei dieser Position ist aus meiner Sicht Geduld und Gelassenheit die oberste Maxime. Überlege Dir eine Strategie und dann bleibe dabei und vergiss am besten bis ins hohe Alter, dass Du hier Geld anlegst.
    Denn es wird darauf ankommen, wie gelassen Du bleibst, wenn die Preise mal über längere Zeit stark fallen – wie zum Beispiel beim Platzen der DotCom-Blase Anfang der 2000er Jahre oder der Subprime Krise.

    Eine breite Streuung, zum Beispiel in Aktien, Immobilien, Rohstoffe und Staatsanleihen, kann Schwankungen ausgleichen. So liefert unter Umständen nur ein Teil Deines Portfolios eine schlechte Performance und die gute Performance anderer Anlagen gleicht dies aus. Beispielsweise könnten Deine Aktien stark fallen, dafür legen die Staatsanleihen sehr stark zu. Im Mittel bleibt der Wert Deines Portfolio in diesem Szenario annähernd gleich.

    Der Aktienmarkt hat sich bisher immer in Wellen bewegt. Fallen die Preise bekommst Du für dasselbe mehr Anteile als bei hohen Kursen und über lange Dauer gleicht sich dieser Effekt aus (Cost Average Effekt).

    Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen.

    — André Kostolany

    Langfristig kommt Dir hier der Zinseszinseffekt zu gute. Angenommen, Du hast 1000 Euro investiert und schaffst eine Rendite von 10% pro Jahr. Dann hast Du nach dem ersten Jahr bereits 1100 Euro, im nächsten Jahr 1210 Euro, im dritten 1321 Euro (auf die Zinsen fallen ggf. Steuern an). Sparst Du jedes Jahr weitere 1000 Euro, wirst Du über 20 oder 25 Jahre damit auf eine ganz ordentliche Summe kommen.

    Fazit

    Bevor Du Dich konkret und im Detail mit einzelnen Produkten, zum Beispiel zur Altersvorsorge, beschäftigst und darüber vielleicht sogar die Lust am Thema Finanzen verlierst, empfehle ich Dir erst einmal das „Big Picture“ zu entwerfen und Dich mit anderen interessierten Menschen darüber auszutauschen.

    Ich hoffe, meine eigenen Überlegungen bieten Dir einen ersten Einstieg. Schicke mir gerne Deine Fragen und Anregungen per E-Mail oder trage Dich zu meinem Newsletter (Link) ein.