In guten Zeiten für schlechte vorsorgen

Hast du auch das Gefühl, dass Du Dich endlich mal mit Deinen Finanzen beschäftigen solltest, vor allem sowas wie fürs Alter vorsorgen? Vielleicht hattest Du sogar schon einmal einen Termin bei der Bank Deines Vertrauens und hattest am Ende trotzdem kein so richtig gutes Gefühl?

So ging es mir selbst vor einigen Jahren und in letzter Zeit werde ich immer häufiger zu diesen Themen um Rat gefragt. Häufig geht es dabei um konkrete Produkte wie Bausparverträge und Riester-Renten aber auch ETF-Sparpläne oder ganz allgemein Finanzen.
In diesem Artikel beschreibe ich meine eigenen Überlegungen und gebe Dir gleichzeitig die Empfehlung zu Blogs wie dem Finanzwesir (Link) oder den Finanzrocker (Link) oder auch Podcasts wie Geldbildung (Link) für mehr Tiefgang und Details.

Grundlegende Überlegungen

Bevor Du Dich jetzt gleich als erstes mit Deiner Absicherung im Alter beschäftigst, solltest Du Dir zuerst einen Überblick über Deine Einnahmen und Deine Ausgaben machen. Lies hier auch gerne noch einmal diesen Artikel aus dem letzten Jahr.

Ungefähr genauso ärgerlich wie nicht benötigtes Geld der Inflation auf dem Tagesgeldkonto ohne Zinsen auszusetzen, ist es, wenn Du auf einmal Geld benötigst und eine Immobilie oder Deine Wertpapiere zu einem Tiefstpreis verkaufen musst.
Dies könnte beispielsweise notwendig sein, weil eine größere Reparatur bei Deinem Auto ansteht oder der Neukauf einer Waschmaschine. Für diesen Fall solltest Du über ausreichende Rücklagen verfügen.

Der Notgroschen

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis weit höher als in der Theorie.

— Ernst Ferstl

Im Leben können immer wieder ungeplante Dinge passieren. Vielleicht lernst Du den Partner fürs Leben kennen und ihr geht gemeinsam auf Weltreise, dasselbe geht natürlich auch allein oder mit guten Freunden. Vielleicht erwartest Du Nachwuchs und nimmst eine längere Auszeit vom Job. Oder Du möchtest ein Buch schreiben. Egal was es ist, ein Polster um im Notfall Deine Ausgaben zu decken, kann Dir in diesen Fällen sehr viel Flexibilität bieten.

Wichtig ist, dass dieses Geld schnell verfügbar ist. Ich habe meinen Notgroschen beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto.
Aktuell gibt es dafür zwar kaum Zinsen, allerdings spart mir diese Rücklage im Ernstfall die Zinsen des Dispo- oder eines anderen Kredits (aktuell ca. 6-10%).

Die Höhe der Rücklage hängt ganz von Deiner Lebenssituation und Deinen Ausgaben ab. Die übliche Empfehlung ist etwa die Ausgaben über 6 bis 12 Monate. Je geringer Deine monatlichen Fixkosten sind, also Versicherungsprodukte, Ausgaben für Auto bzw. Mobilität, Miete und Nebenkosten, Tilgungsraten von Krediten bzw. Finanzierungen etc., desto geringer kann dieser Betrag sein.

Mittelfristige Ausgaben

Dieser Posten ist sehr individuell, sowohl für den Zeitraum als auch von den Ausgaben. Bei mir umfasst dieser etwa die nächsten acht Jahre.

Planst Du den Kauf einer Immobilie oder eines neuen Autos? Oder hast Du gerade Dein Studium begonnen und willst vor dem Abschluss ein Jahr ins Ausland gehen? Je nach Investition und Kapitalbedarf gibt es hier ganz unterschiedliche Möglichkeiten, vom einfachen Tagesgeldkonto über Festgeld bis hin zu Bausparverträgen oder kurzlaufende Staatsanleihen (Bonds).

Langfristige Planung

Bei dieser Position ist aus meiner Sicht Geduld und Gelassenheit die oberste Maxime. Überlege Dir eine Strategie und dann bleibe dabei und vergiss am besten bis ins hohe Alter, dass Du hier Geld anlegst.
Denn es wird darauf ankommen, wie gelassen Du bleibst, wenn die Preise mal über längere Zeit stark fallen – wie zum Beispiel beim Platzen der DotCom-Blase Anfang der 2000er Jahre oder der Subprime Krise.

Eine breite Streuung, zum Beispiel in Aktien, Immobilien, Rohstoffe und Staatsanleihen, kann Schwankungen ausgleichen. So liefert unter Umständen nur ein Teil Deines Portfolios eine schlechte Performance und die gute Performance anderer Anlagen gleicht dies aus. Beispielsweise könnten Deine Aktien stark fallen, dafür legen die Staatsanleihen sehr stark zu. Im Mittel bleibt der Wert Deines Portfolio in diesem Szenario annähernd gleich.

Der Aktienmarkt hat sich bisher immer in Wellen bewegt. Fallen die Preise bekommst Du für dasselbe mehr Anteile als bei hohen Kursen und über lange Dauer gleicht sich dieser Effekt aus (Cost Average Effekt).

Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen.

— André Kostolany

Langfristig kommt Dir hier der Zinseszinseffekt zu gute. Angenommen, Du hast 1000 Euro investiert und schaffst eine Rendite von 10% pro Jahr. Dann hast Du nach dem ersten Jahr bereits 1100 Euro, im nächsten Jahr 1210 Euro, im dritten 1321 Euro (auf die Zinsen fallen ggf. Steuern an). Sparst Du jedes Jahr weitere 1000 Euro, wirst Du über 20 oder 25 Jahre damit auf eine ganz ordentliche Summe kommen.

Fazit

Bevor Du Dich konkret und im Detail mit einzelnen Produkten, zum Beispiel zur Altersvorsorge, beschäftigst und darüber vielleicht sogar die Lust am Thema Finanzen verlierst, empfehle ich Dir erst einmal das „Big Picture“ zu entwerfen und Dich mit anderen interessierten Menschen darüber auszutauschen.

Ich hoffe, meine eigenen Überlegungen bieten Dir einen ersten Einstieg. Schicke mir gerne Deine Fragen und Anregungen per E-Mail oder trage Dich zu meinem Newsletter (Link) ein.