Diversify yourself

Wer bist Du? Was macht Dich als Person aus? Was definiert Dich? Worauf bist Du stolz?

Viele Menschen würden antworten, dass sie hart arbeiten, ihren Beruf ernst nehmen oder vorgegebene Aufgaben kreativ und schnell lösen. Grundsätzlich ist dies ein guter Anfang, nur welche anderen Bereiche gibt es in Deinem Leben noch und wie möchtest Du Dich selbst sehen?

Eine Antwort auf diese Fragen zu haben halte ich für wichtig. Falls Du grübelnd davorsitzt, kann es sein, dass du Dich bisher ausschließlich über Deine Arbeit identifiziert hast. Lass uns dies genauer betrachten.

Die Identifikationsfalle

Wenn du morgen Deinen Job verlieren würdest, wer wärst Du dann? Wie würdest Du Dich selbst sehen?

Manchen fallen nur Antworten ein, die auf den Beruf bezogen sind. Solange uns die Arbeit Spaß und Freude bereitet und alles gut läuft, können wir uns daran erfreuen. 

Zu einem erfüllten und glücklichen Leben gehört für mich jedoch nicht nur auf meine Arbeit stolz sein, denn falls dieser Teil meines Lebens mal nicht läuft oder dessen Verlust droht, kann dies meine komplette Identität in Frage stellen. 

Wenn Du einen nicht so erfolgreichen Tag in Deinem Beruf hattest und nichts mehr Deine Stimmung ändern kann oder du auf nichts anders stolz bist, als auf Deine Leistungen im Büro, bist Du in der Identifikationsfalle gelandet. Es ist Zeit Dir zu überlegen, wer Du außerhalb deines Jobs überhaupt bist.

Woher kommt diese Identifikation?

Ich bin immer wieder auf Netzwerktreffen und Konferenzen und beobachte dort, dass wir uns oft fast ausschließlich über unsere Arbeit definieren. Wir fragen uns gegenseitig nach unseren Tätigkeiten und sind stolz, wenn wir sagen können: „Ich bin Vice President von…“

Uns ist wichtig, sich zuzuordnen und wir meinen auch, darüber andere besser einschätzen zu können. Nachvollziehbar, denn die meisten von uns verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit der Arbeit. Selbst in unsere Freizeit schleicht sich der Beruf oft ein, wenn wir unsere E-Mails checken oder ständig aus der Arbeit angerufen werden.

Nur was passiert mit uns, wenn wir uns selbst nur noch als Angestellte wahrnehmen und ganz und gar auf alles andere verzichten? Oder unseren Interessen, Hobbies und unseren Liebsten wenig Platz in unserem Leben lassen?

Wenn wir unsere ganze Zeit damit verbringen zu arbeiten, zur Arbeit zu fahren, unsere Arbeit zu planen, nach Feierabend hauptsächlich über die Arbeit nachzugrübeln oder darüber zu sprechen, kann das Ergebnis ein sehr einseitiges Selbstbild sein.

Selbstreflektion

Mut ist die erste von allen menschlichen Qualitäten, weil er alle anderen garantiert.

— Winston Churchill

Seine eigene Person in konstruktiver Weise und ohne Urteile zu überdenken kann sehr hilfreich sein und die eigene Lebensqualität steigern.

Nimm Dir die Zeit und schreibe für Dich auf, welche Rollen Du in Deiner Freizeit einnimmst. Bist Du Mutter oder Vater, Liebhaber, Haustierbesitzer, Mentor, Pfleger, Koch, Einkäufer, Künstler, Sportler oder Reisender? Welche Rollen nimmst Du täglich ein?

Welchen Gemeinschaften ordnest Du Dich zu? Definierst Du Deine Persönlichkeit über eine Religion, einen Verein oder einen Freundeskreis?

Überlege Dir als nächstes, in welche Rollen Du gerne mehr schlüpfen möchtest. Wo willst Du mehr Zeit verbringen? Welche Rollen würdest Du am liebsten von deiner Liste streichen? Es kann auch in manchen Fällen hilfreich sein, wenn Du dir Feedback von Freunden und Familie holst und sie fragst, wie sie Dich wahrnehmen und was Dich ihrer Meinung nach ausmacht.

Wenn es in einem Lebensbereich einmal nicht so gut läuft, kannst Du immer noch stolz und dankbar für die vielen anderen sein. Wenn Du einem großen Problem im Büro gegenüberstehst, mache Dir klar, wie schön deine Aufgaben als Elternteil oder Haustierbesitzer ist und rücke so alles in die richtige Perspektive. Bald wirst Du erkennen, dass Du viel mehr als „nur“ Deine Arbeit bist.

Fazit

Sich mit seiner Arbeit identifizieren zu können ist wunderbar, es kommt allerdings auf das Maß an. Ein erfülltes Leben entspringt der Vielfalt. Darum: Diversify yourself!

Wenn Du Anregungen oder Kommentare zu diesem Thema hast, dann schreibe mir gerne eine E-Mail.
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