Glaubst Du, dass Du dieses Jahr klarer denkst als vor zwei Jahren? Wie löst Du Fragen, die kein Chat-Fenster beantwortet?
Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt.
Woran liegt das? Liegt das daran, dass die Werkzeuge wachsen, während die Räume schrumpfen, in denen wir uns wirklich begegnen? Liegt das daran, dass wir gelernt haben, schneller zu antworten und seltener zuzuhören?
Wir reden mit Maschinen und vermissen die Menschen.
Vor zwei Wochen saß ich in einer Online-Runde mit Kollegen. Wir besprachen einen neuen Validierungsansatz. Alle vorbereitet, alle einig. Nach einer Stunde war die Tagesordnung abgearbeitet. Niemand hat widersprochen, niemand eine andere Sicht dagegengestellt. Niemand blieb länger. Niemand rief später noch jemanden an. Ich saß mit einer Liste an Tasks und einem leeren Gefühl. Nicht weil das Meeting schlecht war, sondern weil mir die Reibung gefehlt hat, an der ich meine eigene Sicht prüfen kann.
Ich erlebe das nicht nur im Beruf. In der Systems-Engineering-Community bleiben Konferenzen wichtig — und das, was abends danach kommt, oft noch mehr. Das Essen mit den Kollegen, das Glas an der Bar, der Weg zurück ins Hotel. Dort entstehen die Sätze, an die man Wochen später noch denkt. Zurück am Schreibtisch fällt das ab. KI nimmt uns Arbeit ab, und nebenbei die Anlässe, miteinander zu reden. Wer früher anrief, weil er eine Frage hatte, fragt heute ein Modell. Das Modell antwortet schneller. Aber es fragt nicht zurück.
Was sechs Jahre Pause gezeigt haben.
In den letzten sechs Jahren habe ich diesen Blog nicht fortgeführt. Familie hatte Vorrang. Im Beruf kamen ein Rollenwechsel und mehr Verantwortung dazu. Dazwischen Corona. Ich habe in dieser Zeit weitergearbeitet, weiter gecoacht, viel zugehört. Was ich gemerkt habe: Die Gespräche, die mich wirklich weitergebracht haben, fanden nicht in Teams-Kacheln statt. Sie fanden an Arbeitsplätzen statt, an Stehtischen, in Pausen vor der Halle. In Momenten, in denen niemand etwas verkaufen wollte und niemand auf die Uhr sah.
Was ich daraus mitnehme: Wer KI in seine Arbeit holt, muss mehr mit Menschen reden, nicht weniger. Ein Engineering-Meeting ohne Widerspruch ist nicht effizient. Es ist ein Risiko, das sich erst später zeigt.
Goethe nennt es Stille und Strom. Ich nenne es Stille und Tisch. Beides braucht es. Das eine ohne das andere wird schief.
Ein Tisch, ein Bier, ein paar Fragen.
Deshalb starte ich diesen Blog neu — und gleichzeitig einen Batterie-Stammtisch. Die erste Runde ist klein und persönlich eingeladen: Montag, 20. Juli, 18 Uhr, Nürtingen. Zehn Plätze, die meisten schon vergeben. Ein kurzer Impuls, dann offener Austausch. Themen aus Batterie und Systems Engineering stehen am Anfang — was die Runde mitbringt, kommt dazu. Was am Tisch besprochen wird, bleibt am Tisch.
Den Blog schreibe ich. Den Tisch tragen wir gemeinsam. Beides zusammen ergibt etwas, das ein Modell allein nicht liefert.
Vielleicht ist das altmodisch. Vielleicht lernen wir aber gerade erst wieder, was es heißt, miteinander zu sprechen, wenn das Sprechen mit Maschinen so einfach geworden ist. Wenn Du den Blog mitlesen willst, abonniere den Newsletter. Wenn Du Interesse am Stammtisch hast, schreib mir.
