• Wo willst Du hin?

    Nimmst Du den Jahreswechsel zum Anlass, um die vergangenen zwölf Monate im Rückspiegel zu betrachten? Welche Ziele hattest Du Dir gesetzt und welche davon hasst Du umgesetzt? Was hat sehr gut funktioniert und wo siehst Du noch Verbesserungspotential?

    Im November veranstaltete ich meinen ersten „Mentor-Ing Retreat“ für eine kleine Gruppe von Teilnehmern und dort habe ich auch meine Ziele für das nächste Jahr zusammengestellt.
    Zur Erarbeitung der Ziele für meine Abteilung werde ich dieses Jahr wieder an der Team-Ziele-Challenge von Olaf Kapinski teilnehmen.

    In der Vorbereitung sind mir bereits viele Parallelen in der Herangehensweise aufgefallen, die ich bereits unbewusst genutzt habe.

    Die Zeit verrinnt

    Ich hatte früher gelegentlich das Gefühl, dass die Tage und Wochen wie im Flug vergehen. Viel ärgerlicher empfand ich, dass ich am Ende der Woche nicht sagen konnte, welchen Fortschritt ich erzielt hatte. In einem Buch stieß ich dann auf die Hypothese, dass Aktivität nicht gleich Produktivität ist. Es sei jedoch ungleich schwerer produktiv zu sein. In diesem Zusammenhang habe ich schon oft das Zitat „Wenn Du schnell sein willst, geh langsam.“ vernommen. Für mich bedeutet dies regelmäßig inne zu halten und zu überlegen, ob meine Handlungen noch meinen Zielen entsprechen.

    Geduld und Zeit erreichen mehr als Stärke und Leidenschaft.

    — Jean de la Fontaine

    Als angestellte Mitarbeiter können wir unseren Arbeitsalltag vielleicht nur bedingt selbst beeinflussen. Und da unsere Tätigkeit auch einen Großteil unseres Tages beansprucht, lassen wir auch den restlichen Tag gleich von unserer Arbeit mitbestimmen.
    Am Anfang meines Berufslebens war ich der Überzeugung, dass eine Auslastung von max. 70% optimal ist, um auch auf spontane Aufgaben reagieren zu können bzw. auch Puffer zu haben, wenn mal etwas länger dauert als geplant. Prinzipiell bin ich immer noch dieser Auffassung, nur habe ich mittlerweile gelernt, dass ich diesen Zustand aktiv herbeiführen muss. Aus unternehmerischer Sicht wird es vermutlich selten deutlich mehr Ressourcen geben als zu erledigende Arbeit.

    Nicht nur Tagesgeschäft

    Nach Fredmund Malik gibt es drei verschiedene Arten von Arbeit: die Arbeit an der Sache, die Arbeit an der Arbeit, die Arbeit an der Organisation.

    Die Arbeit an der Sache

    Die Arbeit an der Sache ist ziemlich einfach. Dies betrifft typischerweise was in unserer Stellenbeschreibung steht und wofür es jeden Monat das Gehalt gibt. Der Inhalt wird sich dabei unterscheiden: Ein Konstrukteur wird sich vornehmlich mit dem Entwurf von Bauteilen beschäftigen, im CAD, auf Zeichnungen, Abstimmungen mit Lieferanten durchführen über Herstellbarkeit und Produktionsprozesse. Die Aufgaben einer Führungskraft liegen dagegen beispielsweise darin, Mitarbeiter einzustellen und zu entwickeln, risikobehaftete Entscheidungen zu treffen, Ziele für die Mitarbeiter vorzugeben und diese mit Ihnen abzustimmen.

    Für die übrige Zeit des Tages bedeutet dies vielleicht Arbeit im Haushalt und der Kinderbetreuung, Sport, Zeit mit dem Partner verbringen oder Freunden, Dinge anschaffen, lesen usw.

    Wir können jede Woche ausschließlich Aufgaben erledigen und werden am Ende der Woche dennoch nicht alles geschafft haben. Der Stapel an offenen Aufgaben wird immer größer, es häufen sich Überstunden, Arbeit im Urlaub oder sogar gar kein Urlaub und am Ende fühlen wir uns unserer Tätigkeit nicht mehr gewachsen. Das belastet unsere Beziehungen, unsere Gesundheit und meistens holen wir uns erst dann professionelle Hilfe.

    Die Arbeit an der Arbeit

    Bei der Arbeit an der Arbeit wird es schon spannender. Für diesen Teil braucht es Zeit, denn es wird zwar von jedem erwartet, nach Verbesserungen Ausschau zu halten und sich entsprechend einzubringen, jedoch ist das im Alltag leichter gesagt als getan. Für Verbesserungen gibt es selten einen direkten Kunden, der sich auch regelmäßig zu Wort meldet. Anders als der tatsächliche Kunde oder dessen Repräsentant im Unternehmen – der Projektleiter bzw. der Vertrieb.
    Deshalb sind für mich die regelmäßigen Gespräche mit meinen Mitarbeitern so wichtig, denn ich profitiere von den Verbesserungsvorschlägen und habe ein Interesse daran, dass die Menschen in meinem Bereich sich dafür Zeit nehmen.

    Die Arbeit an der Arbeit zielt auf mehr Effizienz ab, also weniger Fehler, die Arbeit planbarer zu machen und die Qualität der Ergebnisse gleichbleibend immer weiter zu verbessern.

    Hier hilft es beispielsweise, den Blick schweifen zu lassen und sich Anregungen von anderen Firmen oder anderen Menschen zu holen. Wie erledigt jemand anderes eine Tätigkeit, die mit meiner vergleichbar ist? Kann ich mir davon etwas abschauen? Vielleicht helfen Seminare, um andere Methoden zu erlernen. Wenn jemand anderes ein Problem schon einmal gelöst hat, dann kann ich mit dieser Lösung schon einmal anfangen und prüfen, ob diese auch für mich passt.

    Die Arbeit an der Organisation / Strategie

    Für mich ist die strategische Arbeit vor allem darauf ausgelegt, Neues auszuprobieren. Fragen, die Dir hier helfen sind aus meiner Sicht: Was will ich künftig nicht mehr tun, z.B. durch Weglassen, Automatisierung oder Auslagerung? Was will ich anders machen? Was will ich neu machen?
    Diese Arbeit überschreitet typischerweise unsere Komfortzone, denn wenn wir wüssten, wie etwas besser geht, dann würden wir es vermutlich schon tun.

    Beim NLP Practitioner hatte ich hier eine lehrreiche Erfahrung. Ich habe durch eine Methode etwas Neues gelernt, die mir völlig neu war. Im Erreichen meiner Ziele hat sie mich viel weitergebracht als es meine bisherigen Ansätze vermocht haben. Zu Beginn fiel es mir schwer, mich darauf einzulassen, da es im krassen Widerspruch zu allem stand, was ich bisher gelernt habe. Seitdem bin ich ebenfalls deutlich aufgeschlossener für Lösungen und Ergebnisse, die andere Menschen auf Wegen erzeugt haben, die mir selbst nicht eingefallen wären. Und ich kann mittlerweile sagen, dass viele dieser Ergebnisse das in den Schatten stellen, was ich selbst hätte erreichen können.

    Was kannst Du tun?

    Mit meinen Mitarbeitern führe ich alle zwei Wochen One-on-One Gespräche durch, um ihre persönliche Entwicklung und die Verbesserung in der Firma zu unterstützen.

    Eine der ersten Aufgaben sehe ich darin, Zeit für Verbesserung zu schaffen. Egal was wir tun, wir füllen die uns zur Verfügung stehende Zeit voll aus. Hier kann ich auf Parkinsons Gesetz verwiesen, dass ich schon häufiger in diesem Blog zitiert habe. Wenn uns für eine Aufgabe eine Woche zur Verfügung steht, dann brauchen wir dafür eine Woche. Geben wir jemand nur einen Tag für dieselbe Aufgabe, wird es am Ende dieses Tages ein Ergebnis geben. Darüber hinaus wird das Ergebnis nach einem Tag vermutlich nicht wesentlich schlechter sein als andere.

    Ich habe oft erlebt, dass ich viel Zeit mit einer Arbeit verbracht habe und das Ergebnis wurde gar nicht beachtet. Derjenige, der das Ergebnis brauchte, war in der Zwischenzeit schon wieder mit anderen Dingen beschäftigt, hatte sich die Information woanders besorgt oder das Thema war schlicht nicht mehr relevant. Du kennst das vielleicht, dass nach Deinem Urlaub Dein Posteingang sehr voll ist, jedoch kannst Du gut Dreiviertel der Emails löschen, weil es nichts mehr zu tun gibt. Erhalten wir jedoch die Emails nach und nach, behandeln wir jede als Top Priorität. Hier kann Dir jetzt Parkinson bzw. Pareto helfen. Erzeuge schnell ein Ergebnis und hole Dir dann Feedback ein. Wenn dem Auftraggeber dieses erste Ergebnis bereits reicht, dann hast Du außerdem viel Zeit gewonnen, die Du in andere Aufgaben stecken kannst.

    Hier sehe ich übrigens insbesondere die Aufgabe von Führungskräften: den Menschen zu helfen, diese Aufgaben zu erledigen. Dafür gibt es viele Ansätze, wie beispielsweise das Pareto Prinzip, Aufgaben delegieren oder auch priorisieren. Beim Sport braucht es meist einen Reiz, um einen Muskel wachsen zu lassen. Bei Menschen ist es meiner Meinung nach ähnlich und es ist wichtig, sie nicht zu überlasten.

    Ich habe leider, weder in der Schule noch während des Studiums gelernt, wie ich mich gut selbst organisiere. Erst durch Seminare, Selbststudium und kontinuierliche Selbstreflexion werde ich heute immer besser und habe dennoch viel Luft nach oben.

    Fazit

    Nutze den Jahreswechsel für eine Bestandsaufnahme dessen, was Du im vergangenen Jahr erreicht hast und welche Ziele Du Dir für das neue Jahr setzen willst. Das gilt sowohl für die privaten Ziele als auch die beruflichen.
    Orientiere Dich gern an den Kategorien von Fredmund Malik und überlege, wie Du Dir Zeit schaffen kannst, diese Ziele im nächsten Jahr auch umzusetzen.

    Sende mir gern Deine Anregungen per E-Mail oder Themenvorschläge für neue Artikel.

  • Headhunter / Interview mit MRL

    Hattest Du schon einmal einen unerwarteten Anruf von einem Headhunter? Warst Du Dir nicht sicher, wie Du damit umgehen sollst? So ging es mir am Anfang auch. Mittlerweile habe ich meinen Job gewechselt und nutze selbst Recruiter für die Personalsuche. In diesem Artikel berichte ich Dir von meinen Erfahrungen und verlinke Dir das Interview, dass ich nach meinem Jobwechsel gegeben habe. 

    Sei vorbereitet 

    Bereits vor dem ersten Anruf eines Headhunters habe ich meinen Lebenslauf regelmäßig aktualisiert. Ich war damals nicht auf Jobsuche, wollte jedoch überprüfen, ob ich meine Ziele umsetze, mich weiterentwickelt habe und mir meine Arbeit nach wie vor Freude bereitet. 

    Zu Beginn fiel es mir nicht leicht, eine passende Form zu finden und ich brauchte etwas Zeit, um den Inhalt so zu schreiben, dass er mir zusagte. Ich habe dann mit Freunden und Bekannten daran gearbeitet, mir auch Rückmeldungen aus der Personalabteilung und von meinem Chef eingeholt. Außerdem lasse ich mich auch gerne von anderen Lebensläufen inspirieren, z.B. auf Pinterest. 

    Ausschlaggebend ist natürlich, was die nächste Position oder Rolle sein soll. In einer Führungsrolle lege ich viel mehr Wert auf konkrete Ergebnisse, die mit einem Team erzielt wurden, welcher eigene Beitrag geleistet wurde und den Weitblick für strategische Themen und deren Umsetzung. Bei Experten geht es mir vor allem um konkrete Fachkenntnisse und Erfahrungen und die Fähigkeit, Wissen auf neue Sachverhalte übertragen und strukturiert im Team arbeiten zu können. 

    Ich bin gar nicht auf der Suche 

    Vielleicht müsste die Überschrift besser lauten „Ich will gar nicht wechseln.“ Mir ist irgendwann aufgefallen, dass ich mich immer wieder von vermeintlichen Missständen habe ärgern lassen. Schlechte Informationsweitergabe, unverständliche Entscheidungen, zu wenig Gestaltungsspielraum, starre Prozesse, kaum Veränderungswille. Auf der anderen Seite hatte mein Job auch viele Vorteile und Annehmlichkeiten.  

    Den Job zu wechseln bedeutet erst einmal eine Veränderung. Ich werde Teil eines neuen Teams, arbeite mit neuen Kollegen zusammen, habe einen neuen Chef, arbeite nach neuen Prozesse und es gibt Neues zu lernen und viele Fragen. Im Gegensatz dazu kenne ich mein Unternehmen, habe mir dort eine Position erarbeitet und werde für meine Erfahrung respektiert und von anderen Kollegen immer wieder um Rat gefragt. Hier gilt es dann abzuwägen. 

    Ich habe dabei den Fokus auf die Herausforderungen gelegt und die Möglichkeiten, mich dadurch weiterzuentwickeln und neue Fähigkeiten zu erlernen. Irgendwann habe ich dann regelmäßig Vorstellungsgespräche wahrgenommen. Zum einen um das Recruiting von anderen Firmen mit meinem eigenen zu vergleichen, zum anderen um einen Eindruck zu erhalten, welchen Forderungen entsprochen wird und welchen eher nicht. 

    Was ist mir wichtig 

    Ich hatte eine Liste erstellt, was ich ändern will und welche Rahmenbedingungen unbedingt erhalten bleiben sollen. Die einfachste Messgröße ist natürlich immer das Gehalt, der Bonus und vielleicht der Firmenwagen. Geld ist jedoch ein Hygiene Faktor: verdiene ich zu wenig Geld, dann bin ich unzufrieden und suche mir typischerweise zügig einen neuen Job; die Zufriedenheit nimmt jedoch ab einem gewissen Einkommen kaum noch zu. Hier werden dann eher persönliche Entfaltungsmöglichkeiten, Gestaltungsspielraum oder eine flexible Arbeitszeitgestaltung wichtig. 

    Anregungen, um Deine persönliche „Bottom Line“, also Dein benötigtes Einkommen, herauszufinden, gibt es in diesen Artikeln (Link). 

    Bist Du auf ein hohes Einkommen angewiesen, willst Du flexibel Deine Arbeitszeit gestalten, willst Du Verantwortung für Mitarbeiter übernehmen, willst Du im Ausland arbeiten und viel reisen oder gar nicht reisen? Je besser Du Dir darüber Gedanken machst, desto weniger Überraschungen wirst Du später erleben. 

    Vorteile für den Bewerber 

    Was bringt es Dir, wenn Du mit einem Headhunter sprichst und er Dich in seinen Pool aufnimmt? In den meisten Fällen stehen dahinter große Firmen, die professionell arbeiten und mit der Personalsuche beauftragt werden. Auch wenn Du wenig Erfahrung mit Bewerbungen hast, helfen sie Dir, die oben genannten Dinge herauszuarbeiten, können Dir einen Überblick zu realistischen Gehältern geben, zu Jobaussichten und gefragten Kompetenzen. Meistens gibt es bereits offene Positionen, auf die Dein Profil passt. Das kann auch Positionen beinhalten, die Du nicht in Jobportalen finden würdest. 

    In vielen Fällen gibt es eine bestehende Zusammenarbeit zwischen der Firma, die Positionen zu besetzen hat und den Recruitern. Sie können Dir eine zweite Meinung zum Unternehmen, zur Kultur oder zum Management geben. Vor allem wenn es um längere Zusammenarbeit und viele offenen Stellen geht, hat der Recruiter ein Interesse daran, dass Du und die Firma möglichst gut zusammenpassen. 

    In den vergangenen Jahren habe ich mit vielen Headhuntern gesprochen, die mich vermitteln wollten. Nach dem ersten Gespräch gab es danach jedoch in den meisten Fällen keine weiteren Kontakte. Auch hier kann es sich lohnen, nicht alle Äpfel in einen Korb zu legen. 

    Die Vorteile für das Unternehmen 

    In vielen Fällen werden Stellen erst ausgeschrieben, wenn es einen Bedarf für neue Mitarbeiter gibt. Dann darf alles sehr schnell gehen. Es wäre jedoch schon ein Zufall, wenn Du zur richtigen Zeit auf die Website oder in ein Jobportal schaust und genau die Stelle findest, die zu Dir passt.  

    Mir als Entwicklungsleiter hilft es sehr, wenn ich für eine Position schnell mehrere passende Profile von Kandidaten erhalte. Das geht jedoch nur, wenn ein Großteil der Interviewarbeit schon vorher erledigt wurde. 

    Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch Positionen, die nicht unmittelbar öffentlich ausgeschrieben werden sollen oder auch strategische Planungen, bei denen ich mir für die Besetzung etwas mehr Zeit lassen kann. 

    Fazit 

    Headhunter können Dir bei der Suche nach einem neuem Job zusätzliche Auswahl bieten und Deine Erfolgsaussichten deutlich erhöhen. Viele Unternehmen sind spezialisiert auf Fachgebiete oder Branchen und wenn die ersten Anfragen nichts für Dich sind, wird es vermutlich in Zukunft keine weiteren Angebote geben. 

    Unabhängig davon, ob Du auf der Suche nach einer neuen Position bist oder mit Deiner aktuellen Anstellung sehr zufrieden, empfehle ich Dir regelmäßig Deine Ziele und Deine Weiterentwicklung zu überprüfen. Damit kannst Du feststellen, ob sich grundsätzlich an Deinen Rahmenbedingungen etwas ändert und Du hast bei Bedarf einen aktuellen Lebenslauf zur Hand. 

    Hattest Du schon Kontakt mit Headhuntern und hat sich daraus eine vielversprechende Perspektive für Dich ergeben? Schreib mir gerne Anregungen und Kommentare zu diesem Artikel

    Mein Interview mit MRL Consulting findest Du hier: Link 

  • Das nächste Jahr

    Der Mentor-Ing Blog startet in sein zweites Jahr. Ich freue mich, dass Du (wieder) den Weg zu mir gefunden hast.

    Solltest Du das erste Mal meinen Blog lesen, dann sei herzlich willkommen. Ich hoffe, Du findest hier Anregungen, wertvolle Tipps und Unterstützung. Wenn Du Fragen oder Themenwünsche hast, schreibe mir gern eine Email.

    Den ursprünglichen Plan, schon im August neue Artikel zu veröffentlichen, habe ich ein wenig angepasst. Im August lagen meine Prioritäten darauf, unseren Umzug abzuschließen, insbesondere, bevor ich den neuen Job nach meiner Elternzeit antrete.

    Rückblick

    Das vergangene Jahr war sehr spannend und bereichernd für mich, vor allem durch meine neue Rolle als Vater. Hier durfte ich selbst ganz viel Neues lernen, vor allem Geduld und einfach mal Zeit mit meiner Tochter verbringen. Mir fällt es mittlerweile auch leichter zu akzeptieren, dass die meisten Dinge beim ersten Mal nicht so funktionieren, wie ich das gerne hätte. Zu beobachten, welche Entwicklung dieser neue Mensch in seinem ersten Jahr durchläuft, finde ich sehr beeindruckend. Vor allem das immer wieder ausprobieren und nicht aufgeben. Zu meiner Elternzeit werde ich noch einen eigenen Artikel schreiben.

    Konkret für den Blog: Ich hätte nicht erwartet, dass ich bereits nach einem Jahr so viele Leser erreiche und ich freue mich auch über das zahlreiche Feedback, Fragen und Anregungen. Mir war wichtig, dass ich den Blog erst einmal ein Jahr betreibe, bevor ich mich an die Optimierung mache. Den Vorsatz habe ich von einem amerikanischen Kollegen übernommen und ich bin sehr dankbar dafür. Ich würde heute einige Dinge anders machen als vor einem Jahr. Allerdings wäre ich vermutlich immer noch in der Vorbereitung, wenn ich immer erst einmal optimiert hätte, anstatt mich mit dem aktuellen Stand zufrieden zu geben.

    Sehr dankbar bin ich auch über den Austausch mit Pendler-Guru Marc Frewert, der seinen Blog (Link) ungefähr zur selben Zeit gestartet hat und den ich über die Stuttgarter Gruppe vom Finanzwesir Blog kennengelernt habe. Von Marc habe ich viele nützliche Tipps bekommen.

    Ich zitiere ja gerne, dass wir meist überschätzen, was wir in 12 Monaten erreichen können. Wenn ich also selbst einmal 12 Monate zurückgehe und dann vergleiche, gibt es sicherlich einige Themen, bei denen ich gerne schon näher am Ziel wäre. Jedoch bin ich mit der Summe an Erreichtem aus dem letzten Jahr sehr zufrieden, vor allem auch aufgrund der Unterstützung meiner Familie und Freunden, und auch von Dingen, die ich bereits vor längerer Zeit begonnen habe.

    Ausblick

    Im August habe ich eine neue Tätigkeit als Entwicklungsleiter begonnen und ich werde dieses Jahr noch einen Podcast zum Thema Systems Engineering starten. Mein Ziel für die nächsten 12 Monate besteht somit in einer guten Balance der Aufmerksamkeit für meine Familie, meinen neuen Job und den Blog/Podcast. Als Wegweiser nutze ich, was mir im Leben wichtig ist, in Anlehnung an John Strelecky’s Buch „The Big Five for Live“:

    • Bereichernde Beziehungen zu Familie und Freunden
    • Lebenslanges Lernen
    • Kontinuierliche Weiterentwicklung
    • Reisen und Neues Entdecken
    • Menschen bei ihrer Entwicklung begleiten und unterstützen.

    Ich werde auch weiterhin alle 2 Wochen einen Blog Artikel veröffentlichen und Fragen, die mich erreichen beantworten. Darüber hinaus werde ich in diesem Jahr den ersten Mentor-Ing Workshop veranstalten und sehen, ob ich dieses Format weiterentwickeln kann. Beim Podcast werde ich ebenfalls aller 2 Wochen eine neue Folge veröffentlichen.

    Melde Dich einfach für meinen Newsletter (Link) an und erfahre immer als erster, wenn es etwas Neues gibt.

  • Sommerpause

    Der Mentor-Ing Blog macht Sommerpause …

    Anfang August, pünktlich zum einjährigen Jubiläum, geht es weiter. 
    Trage Dich in meinen Newsletter ein und erfahre als erster, sobald neue Artikel erscheinen.

    Du willst die Zeit für Deine persönliche Weiterentwicklung nutzen?
    Dann schicke ich Dir gerne (vorab) meine Lebensgestaltungs-Planungsvorlage.

    Ich wünsche Dir einen schönen Sommer und dass Du Dir Zeit für die wirklich wichtigen Dinge nimmst.

  • Verhalten bei Stress (Yerkes Dodson)

    Musstest Du schon einmal bis „morgen früh“ eine Präsentation fertig machen, hast sogar eine Nachtschicht eingelegt und am nächsten Tag ist der Punkt im Meeting gar nicht besprochen wurden? Dann hast Du vermutlich das Gesetz von Yerkes Dodson in Aktion erlebt.

    Vor einiger Zeit hörte ich einen Vortrag zu diesem Thema und mir wurde bewusst, warum in meinem Alltag immer wieder Dinge passieren, die ich im Nachhinein lieber anders gelöst hätte.

    Grafik; X-Achse: Grad der Anspannung; Y-Achse: Produktivität

    Quelle: Wikipedia

    Die Theorie

    Je mehr Stress wir erfahren, desto weniger produktive bzw. kreative Leistung erbringt unser Gehirn. Wir fokussieren uns fast ausschließlich auf den jeweiligen Stressor und wie wir ihn überwinden: Ein schnelles Ergebnis, selten nachhaltig und überlegt.

    Die Ursache dafür sind unsere Instinkte. Diese sind heute noch geprägt durch Überlebensstrategien, die über Jahrtausende erfolgreich waren. Diese sind im „ältesten“ Teil des Gehirns, dem Hirnstamm beheimatet. Gelegentlich findet sich auch der Begriff „Reptiliengehirn“ dafür. Dieser Teil ist für die Verarbeitung von Sinneseindrücken, elementare und reflexartige Steuermechanismen und motorische Grundfunktionen zuständig. Dazu gehört auch „Fight or Flight“ (also Laufen, Kämpfen oder Totstellen). Sowohl zum Kämpfen als auch zum Laufen wird zusätzliche Energie in den Muskeln benötigt, der Blutfluss bringt Sauerstoff und transportiert Abfallprodukte weg.

    Im Gegensatz dazu übernehmen Groß- und Kleinhirn überwiegend bewusste Funktionen wie Sprache oder rationale Entscheidungen oder unser Vorstellungsvermögen. Das Gehirn ist ebenfalls energiehungrig und verbraucht laut Wikipedia ungefähr 20% unseres Grundumsatzes.

    Energiebilanz

    Wenn wir davon ausgehen, dass wir nicht ständig alle Funktionen unseres Körpers mit ausreichend Energie versorgen können, muss der Körper Prioritäten setzen.
    Die Entscheidung erfolgt jedoch nur in den wenigsten Fällen rational. Empfinden wir Furcht, dann greifen wir auf Strategien oder Instinkthandlungen zurück, die solange unser Überleben gesichert haben: u.a. Fight or Flight.

    Die zusätzlich verwendete Energie in den Muskeln steht dann an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung.
    In der Vergangenheit waren Bedrohungen meist überlebensrelevant. Im Angesicht eines Raubtiers konnten bereits Millisekunden über Leben und Tod entscheiden. Laufen oder Kämpfen war hier erfolgsversprechender als erst einmal nachgrübeln, ob der Säbelzahntiger jetzt wirklich gefährlich ist.

    Die heutige (Projekt-) Welt

    Heute sind die Auswirkungen unserer Entscheidungen typischerweise nicht mehr existenzbedrohend. Dennoch empfinden wir Furcht, wenn wir nicht wissen, ob eine Entscheidung im Projekt zum Erfolg führen wird. Wir empfinden Existenzangst, wenn die Aktien in unserem Depot an Wert verlieren. Jetzt das zu tun, was uns als erstes in den Sinn kommt – die Entscheidung hinauszuzögern und erst einmal alles beim Alten/Gewohnten zu belassen, oder die Aktien verkaufen, um den Verlust zu begrenzen und künftig nur noch Tagesgeldkonten zu verwenden – kann sich langfristig als ungünstig erweisen.

    Die Theorie ist zwar ganz nett, hilft uns jedoch selten. Gerade wenn der Projektleiter Freitagabend anruft, damit wir bis Montagmorgen die Präsentation fertig machen. Immerhin sind wir soziale Wesen und um unsere Beziehungen bemüht. Andere Menschen wollen wir nicht enttäuschen.
    Der Fokus des Projektleiters liegt darauf, sein Problem zu lösen. Er ruft Dich an, am besten regelmäßig, fragt nach dem Status, fragt, ob er Dir helfen kann etc. Damit steigt Dein Stresslevel und Du fokussierst Dich darauf, jetzt dieses Problem zu lösen. Das andere Projekt, was vielleicht deutlich größer und wichtiger ist, dessen Projektleiter jedoch gerade nicht bei Dir anruft, verliert für den Moment an Bedeutung. Zumindest solange bis Du hier mit Deiner Arbeit ins Hintertreffen kommst und Dein Telefon klingelt. Ein Teufelskreis?

    Was kannst Du tun?

    Ich habe einmal gelesen, dass die Entscheidung, ob nachgedacht werden muss, zu treffen ist, bevor nachgedacht werden muss. Im Sport trainieren wir Strategien, Spielzüge und Situationen immer und immer wieder, damit wir unter Stress dann hoffentlich darauf zurückgreifen können. Wieviel wird bei Dir im Job trainiert (Seminare, Coaching, Feedback, …), damit Du optimal vorbereitet bist?

    Wenn wir der 10.000 Stunden Regel Glauben schenken, dann benötigen wir 10.000 Stunden Übung, um in einem Gebiet Experte zu werden. Beim Basketball zum Beispiel, brauchst Du zu Beginn Deine gesamte Aufmerksamkeit für den einzelnen Bewegungsablauf. Du kannst Dich nur wenig um das Spiel und Deine Mit- und Gegenspieler kümmern. Je mehr Routine Du im Ablauf hast, desto mehr Kapazität hast Du, um andere zu beobachten und zu reagieren. Hast Du Dir am Anfang lange vorher überlegt welchen Spielzug Du ausführen willst, kannst Du nun immer mehr variieren.

    Vielleicht ist die Entscheidung nicht immer optimal. Doch irgendwann läuft es „wie im Schlaf“. Du überlegst im Vorfeld, was Dein Gegner tun könnte, woran Du es erkennst und was Du dann tust. Du wirst immer schneller, aufmerksamer und damit auch selbstsicherer.

    Überlege Dir vorher, was Dich dazu veranlassen könnte, erst einmal innezuhalten und Dir eine Strategie zu überlegen, anstatt Dich gleich in die Arbeit zu stürzen. Vielleicht ein Ritual, eine Notiz am Monitor, …?

    Fazit

    Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nützen.

    — Lucius Annaeus Seneca

    Ich beobachte immer wieder, dass im beruflichen Alltag manche Dinge als sehr wichtig eingestuft werden und im nächsten Moment sind sie völlig vergessen.
    Vielleicht ist dieser Artikel für Dich ein Anreiz, häufiger zu reflektieren, welche Deiner Aufgaben langfristig einen Mehrwert für Dich und Dein Unternehmen bringen und welche nur aufgrund der nahenden Abgabe im Fokus liegen. Denn Aktivität bedeutet nicht gleich Produktivität.

    Wenn Du Fragen oder Anregungen zu Yerkes Dodson hast, dann schreib mir gern eine E-Mail.